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13. April 2004
Wissen die wirklich, wie man Zähne behandelt?
Deutsche und Dänen beim Zahnarzt in Polen
Das mit den schlechten Zahnärzten in Osteuropa ist nach
Ansicht von Tommy Hansen "so ein altes Klischee". "Genau
wie es immer heißt, die Franzosen essen den ganzen Tag
lang Knoblauch, und in Italien herrscht das Chaos".
Deshalb habe er unlängst beschlossen, sich das selbst anzuschauen
und in Polen zum Zahnarzt zu gehen. Im Internet habe er
die Praxis hier in Stettin ausfindig gemacht - und sich
dann doch gefragt: "Wissen die wirklich, wie man Zähne
behandelt?" Nach der Voruntersuchung hätte er auch
einfach wieder gehen können. "Ich hatte nichts zu
verlieren."
Mittlerweile sei er zum zweiten Mal hier in Hahs' Zahnklinik,
erzählt der 49-jährige Däne, der in Kopenhagen die Niederlassung
einer deutschen Klimatechnik-Firma leitet - und er werde
wiederkommen. "Hier ist alles auf höherem Niveau als
bei dem Zahnarzt, bei dem ich in Dänemark war." Noch
dazu spare er "eine Menge Geld". Für die Brücke,
die er sich machen lasse, zahle er hier nur ein Fünftel.
Seine erste Reise nach Stettin habe ihn 25 Euro gekostet,
sagt Hansen. Im Preis inbegriffen: die siebenstündige Busfahrt, übernachtung
und Frühstück "im besten Hotel der Stadt", die
erste Untersuchung.
Ein schlammiger Weg führt zu der Villa, in der das Team
von Zbigniew Hahs arbeitet. Vor dem Empfangstresen drei Stühle,
ein Wartezimmer gibt es nicht. Auf einem Tischchen liegen
Broschüren der Zulieferer aus. "Fast unser ganzes Material
kommt aus Deutschland, der Schweiz und Amerika", sagt
Hahs' Schwiegersohn Marcin Gaborski, der die Klinik leitet.
Die Ausstattung sei "auf dem neuesten Stand der Technik",
und zwar nach europäischem Standard.
Im perfekt sitzenden Anzug, mit glänzenden Schuhen und ordentlich
gescheitelten Haaren führt der 30-Jährige den Besuch durch
die Behandlungsräume. Sieht die Klinik eingangs noch ein
wenig duster aus, strahlen die Behandlungsräume umso heller:
Leuchtendes Gelb an den Wänden, acht moderne Behandlungsstühle
("aus Deutschland und Italien"), Sony-Fernseher
an der Wand. "Unsere Patienten können die Zahnbehandlung
am Bildschirm mitverfolgen."
Auf Bilder aus seinem Mund legt Martin Behling weniger Wert
- ihm geht es um die Spezialisten. "Ich habe Parodontitis
und möchte mich von jemandem behandeln lassen, der sich auskennt",
sagt der 33-Jährige aus Rügen. Auf die Zahnklinik in Stettin
sei er "durch Zufall" im Internet gestoßen. "Europa
wächst zusammen, da kann man ja auch mal nach Polen zum Zahnarzt
fahren", habe er sich gedacht.
Tatsächlich könne sich die osteuropäische Konkurrenz zu
einem Problem entwickeln, sagt der Rostocker Zahnarzt Gerald
Flemming. "Letztendlich sind wir auch nur eine Dienstleistung." Gerade
in Ostdeutschland würden die meisten auch künftig nicht genug
für teure Behandlungen verdienen und sich deshalb vielleicht "nach
Angeboten im Osten umschauen" - zumal in Zeiten der
Eigenverantwortung. Bislang sei es aber nicht so, "dass
die Patienten in Scharen nach Polen fahren", sagt Flemming,
der im Vorstand der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern
sitzt.
Tommy Hansen hat die Zahnbehandlung hinter sich. Auf die älteste
aller Zahnarztfragen, ob es weh getan hat, sagt er: "Ich
bin eingeschlafen. Das ist mir noch nie passiert."
(AFP)
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